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Naturschutz­gebiet
Ententeich

Initiative, um das Biotop im Villewald
vor der Zerstörung und Versiegelung zu retten.

Starkregenvorsorge: die Bedeutung des Naturschutzgebietes Ententeich


Warum das Naturschutzgebiet Ententeich für Brühls Süden wichtig ist

Hintergrund- und Positionsinformation des Netzwerks NSG Ententeich | Stand: 14. August 2026

Warum der natürliche Wasserrückhalt wichtig ist

Starkregen kann innerhalb kurzer Zeit sehr große Niederschlagsmengen bringen. Dann reicht die Leistungsfähigkeit von Bächen, Kanalisationen und technischen Rückhalteanlagen möglicherweise nicht aus, um die Wassermengen aufzufangen. Besonders problematisch wird die Situation, wenn Wasser aus höher gelegenen Flächen schnell in tiefer liegende Siedlungsbereiche abfließt.

Die Stadt Brühl hat in ihrer Risikoanalyse ausdrücklich festgestellt, dass Niederschlag, Abflussgeschehen, zunehmende Versiegelung und Bodenverdichtung die Höhe und Dauer von Hochwasserereignissen beeinflussen.

Schwadorf und Geildorf sind offiziell als hochwassergefährdet erfasst

Als hochwassergefährdete Ortslagen nennt die Analyse unter anderem Schwadorf und Geildorf. Als Risikogewässer werden der Palmersdorfer Bach und der Dickopsbach aufgeführt. Für Schwadorf wird bereits bei einem häufigeren Hochwasserszenario eine mögliche Betroffenheit von Wohnhäusern im Bereich Bonnstraße und Schallenburg beschrieben.

Welche Rolle spielt das NSG Ententeich konkret?

Das Naturschutzgebiet Ententeich liegt oberhalb der südlichen Brühler Ortsteile. Nach der amtlichen Naturschutzbeschreibung umfasst es unter anderem ein Abgrabungsgewässer, breite Röhrichtbereiche sowie Sumpf-, Bruch- und weitere Waldflächen. Das Gebiet hat damit Eigenschaften, die grundsätzlich für den natürlichen Wasserrückhalt von Bedeutung sein können: Wasser kann in Gewässern, Böden und feuchten Vegetationsbereichen aufgenommen, gespeichert und nur verzögert weitergeleitet werden.

Verbindung zum Dickopsbach

Topographische Karte des südlichen Brühls
Topographische Karte vom südlichen Teil Brühls. Zu erkennen ist der Höhenunterschied zwischen dem Villerücken und Pingsdorf/Badorf/Eckdorf.
© topographic-map.com

Für die Starkregenvorsorge ist nicht nur das einzelne Grundstück, sondern das gesamte Einzugsgebiet maßgeblich. In städtischen Planunterlagen werden der Lenterbach, der Geildorfer Bach und der Dickopsbach im Zusammenhang mit der Hochwasserbetrachtung beschrieben. Der Dickopsbach ist nach den amtlichen Informationen ein hochwassergefährdetes Gewässer. Für entsprechende Gewässer werden in Nordrhein-Westfalen Überschwemmungsgebiete rechnerisch ermittelt und teilweise durch Verordnung festgesetzt. Diese Gebiete dienen unter anderem der Sicherung des Hochwasserabflusses und natürlicher Rückhalteflächen.

Erfahrungen aus dem Jahr 2021

Überschwemmung in Brühl-Schwadorf nach Starkregen
Starkregenereignis 2021: Hochwasser am Schwadorfer Kreuz, unterhalb des Naturschutzgebietes Ententeich. Wie wird das nächste Hochwasser aussehen, wenn dieser noch versiegelt wird?

Das Starkregen- und Hochwasserereignis im Juli 2021 hat gezeigt, dass auch Brühl von erheblichen Folgen extremer Niederschläge betroffen sein kann. Die Stadt Brühl führt das Ereignis selbst als einen Grund für ihre Maßnahmen zur Klimaanpassung an. Zu diesen Maßnahmen gehören unter anderem die Untersuchung von Extremniederschlägen und Hochwasser sowie die Entwicklung von Vorsorgemaßnahmen.

Für Eckdorf wurde außerdem über Sturzfluten und vollgelaufene Keller im Zusammenhang mit dem Ereignis berichtet. Solche Erfahrungen sind für die weitere Stadt- und Freiraumplanung relevant. Sie ersetzen zwar keine hydrologische Modellierung, zeigen aber, dass die Gefährdung nicht nur theoretischer Natur ist.

Versiegelung kann den Abfluss beschleunigen

Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass ein hoher Versiegelungsgrad den Oberflächenabfluss von Niederschlägen erhöht und Wasser schneller in Entwässerungssysteme ableiten kann. Die Reduzierung der Flächenversiegelung sowie der Erhalt oder die Schaffung von Grün- und Versickerungsflächen gehören deshalb zu den anerkannten Maßnahmen einer klimaangepassten Regenwasserbewirtschaftung.

Für das NSG Ententeich bedeutet das: Eine großflächige bauliche Nutzung kann den natürlichen Wasserhaushalt verändern. Entscheidend ist nicht allein die Zahl der Gebäude. Auch Zufahrten, Wege, Plätze, Fundamente, Bodenverdichtungen, Geländemodellierungen und Entwässerungsanlagen können den Abfluss beeinflussen.

Klimawandel: Starkregen bleibt eine wachsende Vorsorgeaufgabe

Klimamodelle projizieren für die Zukunft insbesondere häufigere und intensivere Starkregenereignisse.

Niemand kann seriös vorhersagen, wann das nächste schwere Starkregenereignis Brühl treffen wird. Daraus folgt aber nicht, dass Vorsorgemaßnahmen aufgeschoben werden dürfen. Im Gegenteil: Unsicherheit über den genauen Zeitpunkt ist ein Grund dafür, die möglichen Abfluss- und Überflutungsfolgen bereits bei heutigen Planungsentscheidungen zu berücksichtigen.

Ein Warnsignal aus der Region

Ein Ereignis in Bedburg-Kaster im September 2025 verdeutlicht die praktische Bedeutung dieser Vorsorge. Der WDR berichtete über erhebliche Überflutungen in einem Neubaugebiet; an einer Messstation in Bedburg wurden innerhalb weniger Stunden außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen gemessen. Der Vorgang beweist nicht, dass sich ein gleichartiges Ereignis in Brühl wiederholen wird. Er zeigt aber, dass auch neu geplante und technisch entwässerte Siedlungsbereiche bei extremem Starkregen an ihre Grenzen geraten können.

Unsere Forderung

In Zeiten des Klimawandels sollte ein ökologisch hochwertiges Gebiet mit Gewässern, Röhricht, Feuchtbereichen und Wald nicht als bloße Baureserve behandelt werden.

Die entscheidende Frage ist, ob es angesichts der Hochwassergefährdung, der Lage oberhalb tiefer liegender Ortsteile und der zunehmenden Bedeutung klimaangepasster Planung verantwortbar ist, ein solches Gebiet zu bebauen.

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Quellen

  1. Stadt Brühl: „Klimaanpassungskonzept“, abgerufen am 24.08.2026. Städtische Projektseite
  2. Stadt Brühl: „Hochwasserschutz“ – Risikoanalyse zu Extremniederschlag und Hochwasser, abgerufen am 24.08.2026. Städtische Themenseite
  3. LANUK NRW: „Überschwemmungsgebiete“, abgerufen am 24.08.2026. LANUK-Themenseite
  4. LANUK NRW: „Hochwasser“, abgerufen am 24.08.2026. LANUK-Themenseite
  5. LANUK NRW: „Naturschutzgebiet Ententeich (BM-023)“, amtliche Gebiets- und Schutzbeschreibung, abgerufen am 24.08.2026. Amtliche Gebietsseite
  6. Umweltbundesamt: „Regenwasserbewirtschaftung“, aktualisiert am 29.07.2024, abgerufen am 24.08.2026. UBA-Seite
  7. Christian Kind et al.: „Vorsorge gegen Starkregenereignisse und Maßnahmen zur wassersensiblen Stadtentwicklung – Analyse des Standes der Starkregenvorsorge in Deutschland und Ableitung zukünftigen Handlungsbedarfs“, Umweltbundesamt, TEXTE 55/2019. Publikation (PDF)
  8. „Was wissen wir über die vergangene und zukünftige Entwicklung von Starkniederschlägen? Ein Arbeitspapier zum aktuellen Wissensstand der Länder“, PDF-Fassung vom 24.02.2025, Klimaatlas NRW, abgerufen am 24.08.2026. Arbeitspapier (PDF)
  9. WDR: „Nach Starkregen in Bedburg: RWE meldet Schäden im Tagebau“, Stand 12.09.2025, abgerufen am 24.08.2026. WDR-Artikel
  10. WDR: „Nach Starkregen: Bedburg hält zusammen“, Stand 10.09.2025, abgerufen am 24.08.2026. WDR-Artikel

Redaktioneller Hinweis

Diese Seite ist ergänzende Hintergrund- und Positionsinformation und nicht der Wortlaut der formellen Begründung des Bürgerbegehrens. Sie behauptet insbesondere nicht, dass eine Erweiterung zwangsläufig konkrete Überflutungen verursacht. Die standortbezogenen Auswirkungen müssen durch aktuelle hydrologische Untersuchungen geklärt werden.