Netzwerk
Naturschutz­gebiet
Ententeich

Initiative, um das Biotop im Villewald
vor der Zerstörung und Versiegelung zu retten.

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Presse­gespräch 19.05.2026

Netzwerk NSG Ententeich

Q&A

  • Was ist der aktuelle Anlass für das Pressegespräch?
    Am 18. Mai 2026 hat der Rat der Stadt Brühl den Weg für ein Bauleitverfahren zur möglichen Erweiterung des Phantasialands im Bereich des Naturschutzgebiets Ententeich freigemacht. Das Netzwerk NSG Ententeich reagiert darauf, indem es ein Bürgerbegehren zum Schutz des Gebiets auf den Weg bringt.
  • Was genau kritisiert das Netzwerk am Ratsbeschluss?
    Kritisiert wird, dass mit dem Ratsbeschluss ein Planungsprozess gestartet wird, an dessen Ende Baurecht für ein Projekt in einem bestehenden Naturschutzgebiet entstehen soll. Aus Sicht des Netzwerks wird damit ein Schutzgebiet für ein privatwirtschaftliches Vorhaben grundsätzlich zur Disposition gestellt.
  • Bedeutet der Ratsbeschluss, dass dort sofort gebaut wird?
    Nein. Der Beschluss bedeutet zunächst, dass das Bauleitverfahren vorbereitet beziehungsweise eingeleitet wird. Baurecht entsteht erst durch weitere Planungsschritte der Kommune. Aber politisch ist damit die Weichenstellung erfolgt, überhaupt in Richtung Bebauung eines Naturschutzgebiets zu planen.
  • Was ist das Ziel des Bürgerbegehrens?
    DDas Bürgerbegehren soll den Ratsbeschluss politisch angreifen und die Grundsatzfrage in die Stadtgesellschaft tragen: Soll ein bestehendes Naturschutzgebiet für die Erweiterung des Phantasialands aufgegeben werden oder nicht? Das Netzwerk will den Schutzstatus des Ententeichs sichern und die Entscheidung nicht allein im Rat belassen.
  • Warum kommt das Bürgerbegehren gerade jetzt?
    Weil jetzt der Zeitpunkt ist, an dem die politische Weichenstellung erfolgt. Wenn das Bauleitverfahren erst einmal weit fortgeschritten ist, entstehen Planungskosten und Erwartungshaltungen. Das Netzwerk will deshalb möglichst früh eingreifen – bevor über Jahre hinweg Fakten geschaffen werden.
  • Ist ein Bürgerbegehren in Brühl überhaupt realistisch?
    Ja. Das Instrument ist in Nordrhein-Westfalen kommunal vorgesehen und Brühl verfügt über Leitlinien und Erfahrungen mit Bürgerbeteiligung und Bürgerbegehren. Frühere Verfahren zeigen aber auch, dass die rechtliche Ausgestaltung und Begründung sorgfältig vorbereitet werden müssen.
  • Warum ist das Naturschutzgebiet Ententeich aus Sicht des Netzwerks so wichtig?
    Das Gebiet ist etwa 14 Hektar groß und schützt Natur, Tier und Mensch. Das Netzwerk betont besonders die Funktionen für Wasserrückhalt bei Starkregen, lokale Kühlung, CO₂-Speicherung und die Lebensqualität der Brühler Bevölkerung.
  • Ist das nur die Sicht des Netzwerks oder auch amtlich belegt?
    Die amtliche Fachinformation des Landes NRW beschreibt den das Naturschutzgebiet als einen ökologisch hochwertigen Komplex mit Gewässer, Röhrichtgürtel und naturnahem Buchenwald. Das auch als Biotop gesetzlich geschützte Gebiet beherbergt nach Einschätzung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima für Vögel und Amphibien hervorragend geeignete Habitatstrukturen. Es wird deshalb ausdrücklich als ökologisch wertvoller Lebensraum mit Bedeutung für den Naturhaushalt und wichtige Schutzfunktionen geführt.
  • Warum wird das Naturschutzgebiet Ententeich als „Schwamm“ bezeichnet?
    Weil wasserreiche Naturflächen Niederschläge aufnehmen, speichern und verzögert wieder abgeben können. Genau diese Logik liegt auch dem Schwammstadt-Prinzip zugrunde, das die Stadt Brühl in ihrem Konzept ausdrücklich stärken will. Der Ententeich ist ein realer Baustein dieses Schwammstadtkonzepts.
  • Welche Rolle spielt das Naturschutzgebiet Ententeich für den Hochwasserschutz?
    Das Gebiet ist sehr wasserreich und liegt mit rund 145 Metern deutlich erhöht über tiefer gelegenen Stadtteilen. Es hat eine wichtige Rückhaltefunktion bei Starkregen, weil es Wasser aufnimmt und verzögert abgibt. Damit trägt der Ententeich dazu bei, Hochwasserrisiken in den tiefer liegenden Bereichen zu mindern.
  • Warum passt das Thema in die Debatte um Klimaanpassung?
    Die Stadt Brühl hat ein Klimaanpassungskonzept und ein Schwammstadtkonzept beschlossen, um auf zunehmende Hitze, Trockenheit und Starkregen zu reagieren. Das Netzwerk argumentiert, dass die Bebauung eines wasserreichen Naturschutzgebiets diesen Zielen widerspricht und eine zentrale Klimaanpassungsfunktion schwächt.
  • Ist „Schwammstadt“ nicht nur ein Schlagwort?
    Nein. Schwammstadt beschreibt einen wasserbewussten Städtebau, bei dem Regenwasser möglichst vor Ort gehalten, versickert, gespeichert und für Kühlung genutzt wird. Die Stadt Brühl nennt diesen Ansatz selbst als wichtigen Baustein ihrer Klimaanpassung – und der Ententeich erfüllt genau diese Funktionen bereits heute.
  • Worum geht es bei der geplanten Erweiterung überhaupt?
    Nach Medienberichten und öffentlichen Stellungnahmen geht es nicht nur um eine kleine Ergänzung des bestehenden Freizeitparks, sondern um eine im Verhältnis zur aktuellen Freizeitparkfläche erhebliche Erweiterung. Im Raum stehen ein Aquapark, ein Hotelresort, eine Theater- und Veranstaltungshalle sowie weitere Infrastruktur. Diese Bestandteile werden seit Jahren im Zusammenhang mit den Erweiterungsplänen genannt.
  • Ist der Aquapark wirklich so groß gedacht?
    In der öffentlichen Kommunikation wurde nach Darstellung des Netzwerks und in der medialen Einordnung der Siam Park auf Teneriffa als Referenz genannt. Dieser Vergleich legt nahe, dass kein kleines Zusatzangebot, sondern eine eigenständige touristische Großattraktion gemeint ist.
  • Was sagt das Phantasialand selbst zur Erweiterung?
    Vertreter des Phantasialands begründen die Pläne mit Standortsicherung, Wettbewerbsfähigkeit und dem Ziel, mehr Übernachtungsgäste zu gewinnen. Nach außen wird betont, dass an den Grundelementen wie Aquapark sowie Theater- und Konzerthalle grundsätzlich festgehalten wird.
  • Ist das Netzwerk grundsätzlich gegen das Phantasialand?
    Nein. Die Position des Netzwerks richtet sich nicht generell gegen den Freizeitpark, sondern gegen die Inanspruchnahme eines bestehenden Naturschutzgebiets für dessen Erweiterung. Der Konflikt wird als Flächen- und Schutzkonflikt beschrieben, nicht als pauschale Ablehnung des Unternehmens.
  • Verhindert das Netzwerk wirtschaftliche Entwicklung?
    Das Netzwerk argumentiert nicht gegen wirtschaftliche Entwicklung an sich, sondern gegen eine Entwicklung, die ein bestehendes Naturschutzgebiet mit wichtigen Klima- und Wasserschutzfunktionen aufgibt. Die Kernfrage lautet: Kann wirtschaftlicher Nutzen die Aufgabe eines Schutzgebiets rechtfertigen?
  • Was ist mit Arbeitsplätzen und Tourismus?
    Das Phantasialand und seine Befürworter verweisen auf Standortsicherung, mehr Besucher und zusätzliche Übernachtungsgäste. Das Netzwerk hält dagegen, dass auch Umweltfolgekosten, Verkehrsfolgen, Belastungen für Anwohner und der Verlust von Naturfunktionen in die Abwägung einbezogen werden müssen.
  • Bringt die Erweiterung kurz- oder mittelfristig mehr Geld in die Stadtkasse?
    Nicht automatisch. Das Ausmaß der durch die verschiedenen Phantasialand- Gesellschaften möglicherweise abgeführten Gewerbesteuern ist nicht öffentlich bekannt. Ein Ausbau in der beabsichtigten Größenordnung erfordert hohe Investitionen über mehrere Jahre. In solchen Phasen drücken hohe Abschreibungen und Finanzierungskosten den steuerlichen Gewinn eher, als dass sie ihn sprunghaft erhöhen. Für die Stadt Brühl heißt das: Die Gewerbesteuereinnahmen können in den Investitionsjahren stagnieren oder sogar sinken, statt den Haushalt kurz- bis mittelfristig zu entlasten. Ob die Erweiterung ein dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg wird, ist nicht gesichert. Nach alledem verliert das Argument der Befürworter, die Erweiterung des Phantasialandes auf der Fläche des Naturschutzgebietes wäre wirtschaftlich wichtig für Brühl, an Aussage- und Überzeugungskraft. Aus Sicht des Netzwerks ist es vor diesem Hintergrund nicht gerechtfertigt, ein Naturschutzgebiet aufzugeben.
  • Welche zusätzlichen Belastungen werden befürchtet?
    Genannt werden mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Flächenversiegelung und zusätzlicher Druck auf Wohngebiete und Infrastruktur. Wenn ein Aquapark- Hotelresort, eine Eventhalle und weitere Großbausteine hinzukämen, würde sich aus Sicht des Netzwerks die Nutzung deutlich intensivieren.
  • Kann Naturschutz nicht durch Ausgleichsmaßnahmen ersetzt werden?
    Eingriffe in Natur und Landschaft müssten im Rahmen der Bauleitplanung geprüft und kompensiert werden. Das Netzwerk verweist jedoch darauf, dass gewachsene Funktionen eines wasserreichen Schutzgebiets – wie Kühlung, Wasserrückhalt und eingespielte Lebensräume – anderswo nicht kurzfristig und gleichwertig ersetzt werden können. Der bereits geplante Flächentausch konterkariert aus Sicht des Netzwerks das eigene Klimaanpassungs- und Schwammstadtkonzept der Stadt Brühl.
  • Warum spricht das Netzwerk von einem Präzedenzfall?
    Weil aus seiner Sicht ein bestehendes Naturschutzgebiet für ein privatwirtschaftliches Großprojekt geöffnet werden soll. Damit stellt sich über Brühl hinaus die Frage, wie belastbar der Schutzstatus solcher Gebiete künftig noch ist, wenn einmal die Tür für Ausnahmen geöffnet wird.