Netzwerk
Naturschutz­gebiet
Ententeich

Initiative, um das Biotop im Villewald
vor der Zerstörung und Versiegelung zu retten.

Geschichte des Naturschutzgebiets Ententeich und der geplanten Erweiterung des Phantasialands

Stand: 13. August 2026

Kurzfassung:

Die Diskussion über eine Erweiterung des Phantasialands begleitet Brühl seit vielen Jahren. Ein wesentlicher Konfliktpunkt ist die mögliche Inanspruchnahme von Flächen im Bereich des Naturschutzgebiets Ententeich. Die folgende Chronologie beschränkt sich bewusst auf Tatsachen, die durch die jeweils angegebene Quelle belegt sind. Jede Aussage ist mit einer Fußnote versehen; die vollständigen Quellenangaben stehen am Fuß der jeweiligen Seite bzw. im Quellenverzeichnis am Ende des Dokuments.

Das Naturschutzgebiet Ententeich

Historische Aufnahme des Braunkohleabbaus im Brühler Revier, um 1880
Braunkohleabbau im Brühler Revier, um 1880.
Bildnachweis: Bodoklecksel: „Bergbau1880.jpg“, 28.06.2006, Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain), abgerufen am 05.09.2026. Originaldatei

1858 – ca. 1965 – Braunkohleabbau in der Grube Berggeist

Die Grube Berggeist gehört zur Geschichte des Braunkohleabbaus im südlichen Teil der Ville. Der Abbau prägte die Landschaft über viele Jahrzehnte. Mitte der 1960er Jahre endete der Braunkohleabbau im Südrevier; die Rekultivierung der ehemaligen Bergbauflächen wurde fortgeführt. 1

Ab 1920 – frühe Rekultivierung

Die Rekultivierung der ehemaligen Braunkohleflächen begann deutlich früher als in den 1960er Jahren. Für den südlichen Teil der Ville sind bereits ab 1920 forstwirtschaftliche Rekultivierungsmaßnahmen belegt. Die rekultivierten Flächen gehören zu den ältesten Rekultivierungsstandorten des Rheinischen Reviers.2

1930–1935 – Rekultivierung und Aufforstung an der Kippe Berggeist

Historische Darstellungen der Brühler Heimatblätter dokumentieren erste Aufforstungsversuche auf der Kippe Berggeist ab 1930. 1935 erwarb der Staat die Kippe Berggeist; anschließend wurden die Aufforstungsmaßnahmen ausgeweitet.3

1967 – Eröffnung des Phantasialands

Das Phantasialand wurde am 30. April 1967 auf dem Gelände eines ehemaligen Braunkohle-Tagebaus bei Brühl eröffnet.4

1984 – Ausweisung als Naturschutzgebiet

Das Naturschutzgebiet Ententeich (Kennung BM-023) ist seit 1984 als Naturschutzgebiet ausgewiesen; die amtlich angegebene Fläche beträgt 13,00 Hektar. Als Schutzziel nennt die amtliche Fachinformation den Wert des Gebiets für den Naturhaushalt und seine Bedeutung als Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten, insbesondere als Brutgebiet für Wasservögel.5

Ökologische Bedeutung

Bruchwald im Naturschutzgebiet Ententeich
Bruchwald im Naturschutzgebiet Ententeich.

Nach der amtlichen Objektbeschreibung handelt es sich beim Ententeich um einen ökologisch hochwertigen Komplex aus einem ehemaligen Braunkohle-Abgrabungsgewässer – eines der ältesten seiner Art in der Region – mit ausgedehnter Röhrichtzone, angrenzendem Sumpf- und Bruchwald sowie einem naturnahen Buchenwald. Das Gebiet ist sowohl floristisch als auch faunistisch von großer Bedeutung.6

Als planungsrelevante Arten führt die amtliche Fachinformation unter anderem den Eisvogel (Alcedo atthis) und den Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) auf.7

Unter den in der amtlichen Fachinformation genannten Gefährdungen des Gebiets wird ausdrücklich auch „Gewerbe, Flächenverbrauch (Ausweitung Phantasialand)“ aufgeführt.8

Geschichte der Erweiterungsplanung (2003–2015)

23. Oktober 2003 – Anregung der Stadt Brühl

Die spätere 8. Regionalplanänderung geht laut Planbegründung auf eine Anregung der Stadt Brühl vom 23. Oktober 2003 zurück. Ziel war es, die regionalplanerischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dem Phantasialand eine Entwicklung zu einem Kurzurlaubsziel zu ermöglichen.9

2012 – Ausgleichsvorschlag und Regionalratsbeschluss

Der Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung der Stadt Brühl stimmte im September 2012 einem Ausgleichsvorschlag der Regionalplanungsbehörde zu, der auf den Erörterungstermin vom 28. Juni 2012 zurückgeht; die Erweiterung wurde dabei auf eine „erste Erweiterungsstufe“ begrenzt, innerhalb derer eine Vergrößerung des Phantasialands um insgesamt bis zu 18,5 Hektar möglich wurde.4

Am 14. Dezember 2012 beschloss der Regionalrat des Regierungsbezirks Köln in seiner 13. Sitzung die Änderung des Regionalplans als Grundlage für die Erweiterungspläne des Phantasialands.4

2. April 2013 – Bekanntmachung und Wirksamwerden

Die 8. Regionalplanänderung wurde im Gesetz- und Verordnungsblatt NRW (Ausgabe 2013 Nr. 9 vom 2.4.2013) bekannt gemacht und trat damit in Kraft. Die Regionalplanänderung selbst ersetzt keinen Bebauungsplan; die bauleitplanerische Umsetzung liegt in der Planungshoheit der Stadt Brühl.5

Dezember 2014 / Januar 2015 – Moderationsverfahren

Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden, Vereinen und Initiativen diskutierten gemeinsam mit dem Parkdirektor des Phantasialands in einem Moderationsverfahren unter anderem über Naturschutz, Lärm, Sichtbeziehungen sowie mögliche Auswirkungen für Angler und Kleingärtner. Die erste Sitzung fand am 11. Dezember 2014 statt, die öffentliche Ergebnispräsentation am 11. Januar 2015.10

Das Ergebnispapier beschreibt das Ziel des Moderationsverfahrens als Prüfung, ob und unter welchen Bedingungen Auswirkungen auf Anwohner, Umwelt, Natur- und Artenschutz minimiert oder ausgeglichen werden könnten. Die dort dokumentierten, unterschiedlichen Positionen werden in dieser Kurzchronologie nicht weiter bewertet.6

Grundstückstausch und weitere Entwicklung (2021–2022)

Mit dem Haushaltsgesetz 2022 schuf der Landtag Nordrhein-Westfalen die grundsätzliche Möglichkeit für ein Grundstücksgeschäft zwischen dem Phantasialand und dem Land Nordrhein-Westfalen. Der ausgehandelte Tauschvertragsentwurf sieht vor, dass das Land im Tausch für eine abzugebende Erweiterungsfläche von 14,17 Hektar den Besitz an einer an vorhandenen Staatswald angrenzenden Waldfläche von 38,82 Hektar erhält. Zur Wertermittlung wurden drei unabhängige Gutachten erstellt.7

2026 – Neues Bauleitplanverfahren

Blick über den Ententeich auf das Hotel Lindberg des Phantasialands
Blick über den See auf das Hotel Lindberg des Phantasialands.

Am 9. Juli 2026 beschloss der Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung der Stadt Brühl laut amtlicher Bekanntmachung die Aufstellung des Bebauungsplans 06.01 „Erweiterung Freizeitpark Phantasialand – westlich Berggeiststraße“ sowie parallel die 39. Änderung des Flächennutzungsplans. Der räumliche Geltungsbereich des Bebauungsplans umfasst nach der amtlichen Bekanntmachung rund 17,5 Hektar; als Planungsziel wird die Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Erweiterung des Freizeitparks genannt.8

Presseberichten zufolge stimmten die Fraktionen von CDU, SPD und FDP/Volt für den Aufstellungsbeschluss, GRÜNE und Linkspartei dagegen, die AfD enthielt sich; die Stadt entschied sich dabei für einen regulären Angebotsbebauungsplan anstelle eines zunächst diskutierten vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Bereits vor der Ausschusssitzung demonstrierten nach Presseangaben rund 250 Personen aus Brühl und dem angrenzenden Bornheim-Walberberg; das „Netzwerk NSG Ententeich“ kündigte bei dieser Gelegenheit ein eigenes Bürgerbegehren an.9

Zurück zur Themenübersicht


Quellenübersicht (Kurzlinks)

  1. WDR: „30. April 1967 – Phantasialand bei Brühl eröffnet“, Stand 30.04.2017 – Direktlink
  2. LANUK NRW: „Naturschutzgebiet Ententeich (BM-023)“, abgerufen am 24.08.2026 – Direktlink
  3. Bezirksregierung Köln: 8. Regionalplanänderung Brühl/Phantasialand, Planbegründung, April 2013 – PDF
  4. Stadt Brühl: Projektseite „Erweiterung Phantasialand“, abgerufen am 24.08.2026 – Direktlink
  5. GV. NRW. 2013 Nr. 9 vom 02.04.2013, S. 153 – Direktlink
  6. „Ergebnispapier der Moderation zum Moderationsverfahren Phantasialand“, Juni 2015 – PDF
  7. MULNV NRW: Bericht zum Grundstücksgeschäft, Vorlage 17/6282, 14.01.2022 – PDF
  8. Stadt Brühl: Amtsblatt Nr. 21/2026, Ausgabetag 16.07.2026 – PDF
  9. freizeitparknews.de: „Phantasialand-Erweiterung: Planungsausschuss macht Weg für Prüfverfahren frei“, FreizeitparkNEWS, 11.07.2026 – Direktlink
  10. Stadt Brühl: erste Sitzung des Moderationsverfahrens am 11.12.2014; öffentliche Ergebnispräsentation am 11.06.2015 in der Erich-Kästner-Realschule. Amtliche Pressemitteilung vom 02.06.2015 – Direktlink